Ein Stück Rheinfahrt

by Joachim Ringelnatz

[100]
EIN STÜCK RHEINFAHRT

Ich habe nach dem langweiligen Rhein Und den kitschigen Burgschutthaufen Gar nicht gesehn, zog es vor, zu saufen – Nein: wir tranken einen vorzüglichen Wein.

5
Wir benahmen uns auf jeder Station

Am Fenster wie Gesindel, Schimpften in ordinärem Ton Über angebliches Kindergewindel. Und infolgedessen

10
Und berechnenderweise

Haben wir während der ganzen Reise Allein im Kupee gesessen. Und was ergibt dann sich? Ach, ein Loch im Strumpf kann sich

15
Durch alle Größen

Bis in ein randloses Glück auflösen. Das Glück schlägt manchen Kegelpurz. Die Reise war zu kurz. Der Rhein und die Burgen gähnten.

20
Wir wähnten

Beide Prinzen zu sein. Unbestreitbar ausgezeichnet ist der Wein.

More poems by Joachim Ringelnatz

All poems by Joachim Ringelnatz →