Ein Gleichnis

by Felix Hübel (1874–1922) · 1907 German

IN einem Traume sah ich mich
mit einem Messer in der Brust.
Doch ging ich ruhig meines Weges,
den ungeheuren Schmerz verachtend,
der mir das Herz zerriß.
Und da kamst du:
»Um Gott! Wer tat dir das?«
Und ich: »Wer sonst, als du! Und weißt es nicht?«
»So will ich dich erlösen!« Und du faßtest
das Messer. Deine Augen waren kalt und blau.
Das Messer faßtest du und zogst mir's aus der Brust.
Und deine Augen waren kalt und blau wie Stahl.
Doch über deine Hand, die schneeig weiße,
quoll qualmend meines Lebens roter Strom.
Nur deine Augen sah ich noch. Ich lächelte.
Und ich verblutete. (S. 30)
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