Ein fremder Mann spricht auf mich ein

by Ludwig Jacobowski

Ich sehe ihn an, ich hör' ihn an.
Die Worte geh'n zu mir herein,
Ihr Sinn kommt nicht zu mir heran.

Dann plötzlich zeigt sich in der Luft
Ein bleiches, liebliches Gesicht;
Ich hör' ein Stimmchen, das mich ruft,
Ein Mündlein, das durch Thränen spricht.

Dann durch die Lüfte kam's und klang
"Von fernen Gräbern komm' ich weit,
Zehn Jahre sind für dich nicht lang,
Mir waren sie wie Ewigkeit.

Mein Schlaf ist aus, ich schlumm're nicht,
Ich hab' die Erde aufgemacht,
Weil mir das Herz noch einmal bricht,
Durchweinst du also Nacht für Nacht."

aus: Ausklang. Neue Gedichte aus dem Nachlaß
 von Ludwig Jacobowski
 Herausgegeben und mit Einleitung versehen
 von Dr. Rudolf Steiner
 Minden in Westf.
 J. C. C. Bruns Verlag 1901 (S. 157)

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