Dornröschen

by Theresa Gröhe (Ps. T. Resa) (1853–1929) · 1900 German

Nun sank die Flackerglut zu Asche,
Des Bergstroms Stürzen ist gedämmt -
Das Herz, das wilde, heiße, rasche,
Zu ruhigem Schlage nun gehemmt.

Wie still die Welt! - Die Vögel sangen
Sonst süßer - grüner war das Feld.
Von Schlafestrunkenheit umfangen
So schwül, so müde ruht die Welt.

Ein Zauberschlaf! - Die rechte Stunde,
Der rechte Ort - und sie erwacht!
Ein einz'ger Kuß von rotem Munde:
Und strahlend rings das Leben lacht.

Dann wird - in Jauchzen und in Zittern -
Der Erde ganze Wonne mein,
Nach allen Stürmen und Gewittern
Ein blütenvoller Frühling sein. (S. 23)
_____

More poems by Theresa Gröhe (Ps. T. Resa)

  • Ahnung

    Das ist ein Blühen und Sprießen: Maisonne und Maienwind!
    Aufleuchtend durch die Wiesen des Stromes Silber rinnt,
    Aufjauchzend zum Himmel, dem blauen, klingt rings der Vögel Lied, …
  • Allerseelen

    Vom Himmel erster, zarter Flocken Fall,
    Und dennoch Blüten, Blüten überall,
    Als wär' erwacht der Frühling, licht und warm; …
  • Bald!

    Im Sterbepurpur steht der Strauch,
    Still atmen die Wellen im Hafen.
    Mein zitterndes Herz, nun rüste dich auch …
  • Bei dir

    "Ich habe dich gar zu, gar zu lieb!"
    Du flüsterst es leise mit lächelndem Mund.
    Gieb deine Lippen! Deine Seele gieb …

All poems by Theresa Gröhe (Ps. T. Resa) →