Die Zwei Polis

by Joachim Ringelnatz

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DIE ZWEI POLIS

Ich drehe aus der Tik Niemandem einen Strick. Denn wir wollen frei Sein in der Republik.

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Und wie der Tik so auch der Zei

Geh ich am liebsten weit vorbei. Ich habe sie beide dick. So werfe auch kein andrer solchen Strick Mit der Tik mir ums Genick.

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Denn ich will von der Tik nichts verstehn.

Und die Zei und alle Zein Können mich – o nein! o nein! – Können mir auch aus dem Wege gehn. Bei der Tik verlangt man Krummheit

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Im gegebenen Moment.

Und die Zei wünscht füge Dummheit, Weil sie keinen Shakespeare kennt. Und die Zei will meinen Willen. Meine Meinung will die Tik.

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Beide wünschen sie im stillen

Hypothek auf jedermanns Geschick.

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Es muß doch Leute geben,

Die ehrlich sein wolln, Und weil sie nur ihr Ausmaß leben,

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Darum auch freier sein solln.

Darum übe die Zei nicht an mir Kritik, Und die Tik möge es mir verzeihn, Wenn ich nochmals gestehe, daß ich jeden Augenblick Möglichst fern von beiden möchte sein.

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