Die Welle rinnt

by Emil Prinz Schönaich-Carolath (1852–1908) · 1878 German

Der Frühling spinnt
Goldfäden durch den Wald,
Und träumend zieht,
Auf den Lippen ein Lied,
Der Liebsten Huldgestalt.

Ihr Blondhaar fliegt,
Der Wind es wiegt
Im Sonnengold wie einst.
Mein Herz, hab Ruh';
Was ist's, das du
Erhoffst noch und vermeinst?

Durch brütenden Hag
Im Hochmittag
Ein Windstoß raunt: Du Thor -
Nie kehrt zurück
Ein großes Glück
Dem, der es einst verlor.

Im Waldesgrund
Mit zuckendem Mund
Möcht' stürzen ich, schluchzend laut,
Zu Füßen ihr,
Die heilig mir
Und längst eines andern Braut.

Aus: Gesammelte Werke
von Prinz Emil von Schoenaich-Carolath
3. Band Gedichte
Leipzig G. J. Göschen'sche Verlagsbuchhandlung 1907 (S. 14)

_____

More poems by Emil Prinz Schönaich-Carolath

  • An ...

    Ich sah dich still durch meine Jugend schweben,
    Sie sagten All', du sei'st herabgekommen
    Aus bess'rer Welt, zu leuchten meinem Leben. …
  • Deine Lippen nenn' ich gerne

    Deine Lippen nenn' ich gerne
    Schöner als die schönste Rose,
    Und viel heller als die Sterne …
  • Der Mond geht unter hinter fernen Höhen

    Der Mond geht unter hinter fernen Höhen,
    Rotdunstig taucht er tief ins große Wasser,
    Die Heide trieft, getränkt von Regenböen, …
  • Der Sturmwind braust über's dunkle Meer

    Der Sturmwind braust über's dunkle Meer
    Und treibt seine Wogen himmelwärts
    Zu wildem Ringen, zu Kämpfen schwer - …

All poems by Emil Prinz Schönaich-Carolath →