Die liebe Stelle

by Otto Roquette (1824–1896) · 1852 German

Ja, das ist die liebe Stelle,
Wo ich sie zuerst gesehn!
Wie so sanft erklingt die Welle,
Wie so leis die Lüfte wehn!

Jene Felsen, jene Büsche,
Jener Schatten Einsamkeit,
Jener Grotten duft'ge Frische
Mahnt mich an vergangne Zeit.

Alles mahnt mich, Alles zeiget
Mir auf's Neu ein theures Bild,
Und die Seele still sich neiget,
Und der stumme Seufzer quillt.

Jene Felsen stehn gegründet
In der Erde tiefstem Schooß,
Doch der Sonnenglanz entschwindet,
Der mit Rosen sie umfloß.

Und so geht die Blüte nieder,
Im Gesange nur erneut,
Ach, kein Sehnen bringt sie wieder,
Erste Liebe, seel'ge Zeit! (S. 194-195)
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