Des Freundes Besuch
Horch, horch, was reget sich an der Thür, Was flüstert draußen so leise? Mir ist’s, als rufe der Freund nach mir, Mit zärtlicher bittender Weise.
Wenn Lämpchenschimmer Doch nur das Dunkel durchdränge! Laß ab vom Gesuche, Die späten Besuche
Doch immer lauter und lauter schlägt Er an die verschlossene Pforte, Und immer weiter und weiter trägt Der Schall die verrathenden Worte.
Ich bitte dich, fliehe, — O fliehe von dannen behende! Wie könnt’ ich es wagen, Was sollt’ ich nur sagen,
[25] Doch noch ist’s so spät nicht und Mondenschein Blickt her, die Nacht zu zerstreuen — So komme denn, Lieber, so komm herein, Und mache mich’s nicht bereuen.
Es sey nur dein Wille, Mit mir noch ein Weilchen zu plaudern. Schon auf ist die Thüre — So komm doch, verliere
Wo bist du, Geliebter, wo bist du hin? Hast du, was ich scherzend gesprochen, Genommen etwa für ernsten Sinn, Und hast dich entweichend gerochen?
Ich will dich ereilen , Zurücke den Fliehenden bringen, Ich will dich versöhnen Mit zärtlichen Tönen,
Du Loser, du Lieber, da bist du ja! Wie hast du mich Arme geschrecket. Ach! sicher warst du mir immer nah, Warst nur zum Belauschen verstecket.
Schon fühl’ ich, es steige Vor Schaam mir das Blut in die Wangen; So komm denn in’s Zimmer, Bey Mondenschimmer