Der Seriöse

by Joachim Ringelnatz

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DER SERIÖSE

Wo ich abends Weißwürste fresse, da sitzt oft drei Tische weit Vor mir ein Herr von Noblesse, Sehr groß, sehr ernst und sehr breit.

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Sein Haar und Bart, seine Kleidung

Sind einwandfrei und gepflegt, Wie er unter steter Vermeidung Sich einwandfrei sicher bewegt. Wie ihn die Kellner bedienen,

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Ist er ein Fürst oder reich.

Doch bleibt das Spiel seiner Mienen Jederzeit würdig und gleich. Wenn diese würdig seriöse Erscheinung vorübergeht,

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Dann ist mir, als ob mein Gekröse

In Hirn und Leib sich verdreht. Denn, wenn er mit seinen Blicken Mich streifte – das fühle ich klar –, Ich würde zusammenknicken

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Und nimmer sein, was ich war.

Doch ohne seitwärts zu schauen, Schreitet er durchs Lokal.

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Seine gerunzelten Brauen –

Wie alles an ihm – sind aus Stahl.

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Und seine Schritte lenken

Sich dahin, wohin man nicht sieht. Ich wage nicht auszudenken, Was er dort etwa vollzieht. Ach, ich bin klein, ich bin böse.

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Mein Herz ist auch nicht ganz rein.

Ach dürfte ich solche seriöse Persönlichkeit einmal sein!

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