Der Kranich

by Theodor Fontane

[28]
Der Kranich.

Rauh ging der Wind, der Regen troff,      Schon war ich naß und kalt; Ich macht’ auf einem Bauernhof      Im Schutz des Zaunes halt.

5
Mit abgestutzten Flügeln schritt

     Ein Kranich drin umher. Nur seine Sehnsucht trug ihn mit      Den Brüdern über’s Meer;

[29]
Mit seinen Brüdern, deren Zug
10
     Jetzt hoch in Lüften stockt,

Und deren Schrei auch ihn zum Flug      Gen Süden ruft und lockt. Und sieh, er hat sich aufgerafft,      Es gilt ja Lenz und Glück;

15
Umsonst, der Schwinge fehlt die Kraft,

     Und ach, er sinkt zurück. Nur Hahn und Huhn zum Schabernack      Umkrähn ihn jetzt voll Freud: – Es jubelt stets das Hühnerpack

20
     Bei eines Kranichs Leid.

More poems by Theodor Fontane

All poems by Theodor Fontane →