Der erste Reif

by Georg Scherer (1828–1909) · 1894 German

Du musterst, hold zu mir geneigt,
So seltsam lächelnd Haupt und Bart;
Du schelmisch Kind, hast du vielleicht
Gar schon ein weißes Haar gewahrt?

Bei Gott! das ist der erste Reif,
Der unvermerkt aufs Haupt mir fiel;
Es mahnt der lichte Silberstreif:
"Nun werden deine Tage kühl."

Sei's drum, daß auf des Hauses Dach
Der Winter schon sein Wesen treibt,
Wenn mir nur innen im Gemach
Der Frühling deiner Liebe bleibt. (S. 73)
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