Der Einseitige

by Johann Mayrhofer

Ich kenn' ein süßes Lippenpaar
In wunderholdes Roth getaucht;
Den Lippen horch' ich immerdar,
Wenn meine Seele Labung braucht!

Wie von den Felsen, silberhell
Herunter rauscht der kühle Quell,
Wie Morgenhauch die Wipfel regt,
Und schmeichelnd sich zu Blumen legt:

So schmeichelt mir zum Herzen sich
Der Wohllaut ein, umflutet mich,
Verwirrt mich über Zeit und Ort,
Und schlüpft wie die Forelle fort.

Von allen Sinnen blieb mir nur
Die Kraft, zu hören, noch zurück;
So schenkst Du Jeglichem sein Glück,
Sein angemess'nes Glück, Natur! (S. 103)
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