An der Alten Elster

by Joachim Ringelnatz

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An der Alten Elster

Wenn die Pappeln an dem Uferhange Schrecklich sich im Sturme bogen, Hu, wie war mir kleinem Kinde bange! – Drohend gelb ist unten Fluß gezogen.

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Jenseits, an der Pferdeschwemme,

Zog einmal ein Mann mit einer Stange Eine Leiche an das Land. Meine Butterbemme Biß ein Hund mir aus der Hand. –

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O wie war mir bange,

Als der große Hund plötzlich neben mir stand!

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Längs des steilen Abhangs waren

Büsche, Höhlen, Übergangsgefahren. – Dumme abenteuerliche Spiele ließen

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Mich nach niemand anvertrauten Träumen

Allzuoft und allzulange Schulzeit, Gunst und Förderndes versäumen. – Hulewind beugte die Pappelriesen. O wie war mir bange!

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Pappeln, Hang und Fluß, wo dieses Kind

So viel heimlichstes Erleben hatte, Sind nicht mehr. Mir spiegelt dort der glatte Asphalt Wolken, wie sie heute sind.

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