Der alte Derffling

by Theodor Fontane

[255] Der alte Derffling.      Es haben alle Stände So ihren Degenwerth, Und selbst in Schneiderhände Kam einst das Heldenschwert;

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Drum jeder, der da zünftig

Mit Nadel und mit Scheer’, Der mache jetzt und künftig Vor Derffling sein Honneur.      In seinen jungen Tagen

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War das ein Schneiderblut,

Doch mocht’ ihm nicht behagen So Zwirn wie Fingerhut, Und wenn er als Geselle So saß’ und fädelt’ ein,

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Schien ihm die Schneiderhölle

Die Hölle selbst zu sein.      Einst als das Nadelhalten Ihm schier an’s Leben ging, Dacht’ er: „das Schädelspalten

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Ist doch ein ander Ding;“

Fort warf er Maaß und Elle Voll Kriegslust an die Wand, Und nahm an Nadels Stelle Den Säbel in die Hand.

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     Sonst focht er still und friedlich

Nach Handwerksburschen-Recht, Jetzt war er unermüdlich Beim Fechten im Gefecht; [256] Es war der flinke Schneider

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Zum Stechen wohl geschickt,

Oft hat er an die Kleider Dem Feinde was geflickt.      Er stieg zu hohen Ehren, Feldmarschall ward er gar,

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Es mocht’ ihn wenig kehren,

Daß einst er Schneider war; Nur fand er einen Spötter, Verstund er keinen Spaß, Und brummte: „für Hundsfötter

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Ist hier mein Ellenmaaß.“

     Krank lag in seinem Schlosse Der greise Feldmarschall, Keins seiner Lieblingsrosse Kam wiehernd aus dem Stall;

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Er sprach: „als alter Schneider

Weiß ich seit langer Zeit, Man wechselt seine Kleider, – Auch hab’ ich des nicht leid.      „Eh fehlt der alten Hülle

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In Breite schon und Läng’

Der Geist tritt in die Fülle, Der Leib wird ihm zu eng; Gesegnet sei Dein Wille, Herr Gott, in letzter Noth!“

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Er sprach’s, und wurde stille, –

Der alte Held war todt.

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