Bey der Hochzeit des Hrn. Schultz
Umflattert von dem leichten irren Leben, Durchhüpft der Knabe lächelnd seine Bahn, Wo tausend Lichter glänzend ihn umschweben, Wo sich ihm tausend leichte Träume nahn;
Und jede lächelt froh den Frohen an. Aus jeder Silberquelle schnellen Kräuseln, Hört er geheime Freundesstimmen säuseln. Ein Spiel sind ihm der Sonne goldne Strahlen,
Ein Spiel die Gluthen, die den Osten mahlen, Die Flammen, die am Abendhimmel glühn, Ein Spiel der Sterne nahmenlose Zahlen, Und überall sieht er die Freude blühn,
Weiß seine Hand die Freundliche zu bilden. Doch bald, wenn sich des Lebens Flügel binden, Wird ernst des Jünglings Tritt, ernst wird sein Sinn, Er kann noch nicht das Licht der Wahrheit finden,
Der Blumen liebliche Gestalten schwinden, Und doch sieht er noch nicht der Frucht Beginn. Am Quell, wo süße Stimmen ihm erklangen, Fühlt er von banger Sehnsucht sich befangen.
Er fühlet sie, doch er erkennt sie nicht, Sie kehret mit dem jungen Morgen wieder, Und unbefriedigt sieht er Hespers Licht, Den Sternen zu kehrt er die Augenlieder —
Selbst in des Lenzes blumenvollen Auen Wird er nicht die verwelkten Blüthen schauen. [51] Da naht mit Ernst im schönen Angesichte, Mit Hoheit in der herrlichen Gestalt,
Sie stützet ihn mit göttlicher Gewalt, Sie leuchtet ihm mit heil’ger Wahrheit Lichte, Vertreibt das Dunkel, das den Pfad umwallt; Sie läßt bey keinem Schreckniß ihn verzagen,
Doch bleiben öd’ und traurig die Gestade, Der Kummer floh, das Glück kam nicht zurück, Denn keine Blum’ entblühet seinem Pfade, Entbehren nur ist seines Daseyns Glück.
Ganz sich erhebe der gesunkne Blick, Kann selbst der Freundschaft Walten nicht erringen, Noch die verlornen Schätze wieder bringen. Doch frey und kühn, mit rosigem Gefieder,
Steigt Amor aus des Himmels Höhen nieder, Und ihn umfließt ein wunderbarer Glanz. [52] Es werde! spricht er — Sieh, da kehret wieder Der Frühling mit der jungen Rosen Kranz.
Sich nie geahnte Himmelsseeligkeiten. Des Westes Hauch weht in den milden Lüften, Vom Himmel tönt der Lerche Jubellied, Und tausend junge Blumenschaaren düften,
So wallt der Liebende durch schöne Triften, Wo ewig blauer Himmel ihn umzieht; So keimt die Ruh aus seinem bangen Streben, Und froh durchwallt er so das leichte Leben.
Sie führen durch ein schönes Freudenland, Dir lacht der Lenz mit seinen Kindern allen, Und jeder düstern Wolke Drohn verschwand, Denn Amor führt mit frohem Wohlgefallen
Die Pfeile und das flüchtige Gefieder Legt er auf Hymens heil’gem Altar nieder. [53] Und liebend schlingt er seine Lilienarme Um Hymens Hals: Nie will ich von dir fliehn!
Soll stets mein Feu’r auf deinem Altar glühn, Und nie gebeugt von düsterm Gram und Harme, Soll beyden stets der Freude Rose blühn; Wie in der Kindheit ungetrübten Tagen,
Dieß ist’s, was heut euch Amors Huld verheissen, Er legt’ in euch den Quell der Seeligkeit; Mag nun um euch des Goldes Schimmer gleissen, Ihr seht es still und lächelnd ohne Neid.
Kein Sturm erschüttern, keine Macht der Zeit. Das Glück, das nie die karge Müh’ erzwungen, Hat frey um euch den Götterarm geschlungen. Nur in der Freude lachenden Gestaden,
[54] Wo sich von jeder Erdenbürd’ entladen, Des Geistes Reichthum herrlicher ergießt; So wirst auch du, den auf des Guten Pfaden Zum Führer uns des Himmels Huld erkießt,
Der Tugend, wie des Glückes Beyspiel geben.