Beschluß deß XXIII. Jahrs

by Andreas Gryphius

IN Angst / in trüber Noth / in Hoffnung / Schmertz vnd Pein      In Sorgen vnd in Ach / hab ich diß kurtze Leben / Wo fern es Leben heißt / der Eitelkeit gegeben.      Hab ich von Ach vnd Furcht ie ledig mögen seyn?

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     Ade Welt! Gunst Ade! itzt bin ich nicht mehr dein.

Ich wil den freyen Geist / nun Wehmuth frey / erheben / Ich wil mit freyem Sinn / weit über alle schweben.      Die strenge Dinstbarkeit schleußt in vil Ketten eyn! Mich sol kein Glimpff / kein Schimpff / kein Weh vnd Wol mehr binden /

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Man sol fortan mich frey von zweifel-Stricken finden /

     Ich mag nicht toller Lust / mehr zu gebotte stehn. Gib allzeit freyer GOtt / der du dich frey heist ehren: Daß ich dich mög allzeii mit freyen Ohren hören /      Biß ich durch dich / zu dir / werd’ in die Freystatt gehn.

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