Bekenntniß
[32]
Bekenntniß.
Ich bin ein unglückselig Rohr: Gefühle und Gedanken Seh rechts und links, zurück und vor, In jedem Wind, ich schwanken.
5
Bald ist’s im Herzen kirchenstill,
Bald schäumt’s wie Saft der Reben, Ich weiß nicht, was ich soll und will; – Es ist ein kläglich Leben!
[33]
Da liegt nichts zwischen Sein und Tod,
10
Was ich nicht schon erflehte:
Heut bitt’ ich um des Glaubens Brod, Daß morgen ich’s zertrete; Was heut ich segne, segn’ ich nicht, Ich werde sein Verflucher,
15
Nach Wahrheit ring’ ich und nach Licht,
Und schelt es dann – Versucher. Dich ruf’ ich, der das Kleinste Du, In Deinen Schutz genommen, Gönn meinem Herzen Halt und Ruh,
20
Gott, laß mich nicht verkommen;
Leih mir die Kraft, die mir gebricht, Nimm weg, was mich verwirret, Sonst lösch es aus dies Flackerlicht, Das über Sümpfe irret!