An Julien

by Novalis (Friedrich von Hardenberg) (1772–1801) · 1886 German

Daß ich mit namenloser Freude
Gefährte deines Lebens bin
Und mich mit tiefgerührtem Sinn
Am Wunder deiner Bildung weide -
Daß wir aufs innigste vermählt
Und ich der Deine, du die Meine,
Daß ich von allen nur die Eine
Und diese Eine mich gewählt,
Dies danken wir dem süßen Wesen,
Das sich uns liebevoll erlesen.

O! laß uns treulich ihn verehren,
So bleiben wir uns einverleibt.
Wenn ewig seine Lieb uns treibt,
So wird nichts unser Bündnis stören.
An seiner Seite können wir
Getrost des Lebens Lasten tragen
Und selig zu einander sagen:
Sein Himmelreich beginnt schon hier,
Wir werden, wenn wir hier verschwinden,
In seinem Arm uns wiederfinden.

aus: Novalis. Werke in einem Band
Herausgegeben von Hans-Joachim Mähl
und Richard Samuel
Deutscher Taschenbuch Verlag  München 1995 (S. 144)

More poems by Novalis (Friedrich von Hardenberg)

  • Ihr Herz Und Kuss

    Mir wirds so weit im Busen drin,
    So offen, hehr und frei,
    Nie wars so hell in meinem Sinn …
  • [Es färbte sich die Wiese grün]

    Es färbte sich die Wiese grün
    Und um die Hecken sah ich blühn,
    Tagtäglich sah ich neue Kräuter, …
  • [Vergiß mein nicht!]

    Vergiß mein nicht, wenn lockre kühle Erde
    Dies Herz einst deckt, das zärtlich für dich schlug.
    Denk, daß es dort vollkommner lieben werde, …
  • An Laurens Eichhörnchen

    O, Tierchen, das mit Munterkeit
    Vor meines Mädchens Fenster springet
    Und dem sie selbst voll Sorgsamkeit …

All poems by Novalis (Friedrich von Hardenberg) →