An den May

by Susanne von Bandemer (1751–1828) · 1802 German

Holder Schöpfer süßer Triebe,
Junger wonnereicher May!
Glück und Hoffnung und die Liebe
Sind in dir mir ungetreu.

Nie wird dieses Herz empfinden
Deiner Wonne Seligkeit:
Reiz und Jugend sah ich schwinden
Vor der uns bestimmten Zeit:

Denn der Gram gab ihnen Flügel;
Und sein Mehlthau traf das Herz.
Keiner weisen Stoa Zügel
Zähmt der Seele wilden Schmerz.

May, dein schönster Tag ist trübe,
Deinen Zephyr fühl’ ich nicht;
Weil der süße Trost der Liebe,
Mir, Unglückliche! gebricht.

Source: Wikisource

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