Dein Fest ist wieder da, Du einzig theurer Freund!
Du, dessen treue Huld mir täglich neu erscheint;
Du, den ich nun zwey Jahr stets liebenswerth erkenne,
Du, den ich, und mit Recht, mein ganzes Glücke nenne.
Was schenk ich Dir denn nun, zum Zeichen meiner Pflicht?
Ich sänge gern' auf Dich: allein es klinget nicht.
Die Seyten sind verstimmt und mehrentheils gerissen,
Und wenn sie ja zur Noth einmal erklingen müssen;
So kömmt der Satyr gleich, und mischet sich darein,
Daß meine Zeilen stets voll Gift und Galle seyn.
Dieß treibt mich oftermals zur muntern Deshoulieres,
Da ists, als wenn ich schon bereits im Himmel wäre.
Auch jetzo kömmt mir schon die Lust zum Beißen an,
Daß ich den scharfen Zahn kaum mehr bezwingen kann.
Doch widersteh ich ihm, indem die Stachelschriften,
An statt der Besserung, nur Zorn und Eifer stiften.
Man liebt die Thorheit zwar, doch ihren Abriß nicht:
Die größte Frevelthat, das ist ein Strafgedicht.
Zumal so hab ich auch der Welt nichts zu befehlen:
Ein Tadler wird nur sich, und nicht die andern quälen.
Es haßt ihn alle Welt, es fliehet wer da kann,
Und jeder sieht ihn nur mit scheelen Augen an.
Drum kann mein treuer Kiel das Laster nicht erheben:
So will ich lieber mich dem Schweigen übergeben.
Es fällt mir ohnedieß die strenge Regel ein,
Wer andre tadeln will, soll ohne Fehler seyn!
Und dieses bin ich nicht! Ich kenne meine Blöße,
Und seh sie täglich mehr bey andrer Leute Größe.
Die ganze Welt wird groß; Ich aber, ich allein
Erlange keinen Ruhm; ich bin noch immer klein.
Mich kennt ja niemand mehr, als Freunde und Bekannten;
Mein Namen steht ja noch in keinen Folianten;
Mein Bildniß ist noch nie dem Erzte eingedrückt.
Kein Zierrath hat mir noch den leeren Kopf geschmückt.
Kein Dichter hat mich je zum Pindus heißen gehen,
Noch für die Pallas selbst im Träumen angesehen.
Kein Franze fragt nach mir, wenn er durch Leipzig fährt,
Und, der was selten ist, mit Lust zu sehn begehrt.
Ich bin auch niemals noch von jener Zahl gewesen,
Die mehr zu lesen schreibt, als sie selbst hat gelesen.
Kein wichtig Sinngedicht kömmt je von meiner Hand;
Von meinen Zoten ist noch alles unbekannt;
Und wenn mich nicht Vernunft, und Pflicht und Wohlstand treiben,
So schreib ich lieber nichts; so laß ichs lieber bleiben.
Kein Fremder hat mir noch den lahmen Kiel geführt;
So wie die Dohle sich mit falschen Federn ziert.
Ich habe keinen Freund, der mir auf Flehn und Bitten,
Den unverdienten Lohn, durch seine Kraft erstritten.
Ich streb auch nicht darnach. Ich ehre nur den Ruhm,
Den man sich selbst erwirbt; der bleibt ein Eigenthum,
Daran der Neid umsonst, die scharfen Zähne wetzet;
Der täglich höher steigt, den keine Zeit verletzet.
Der ist allein mein Ziel! Der Glanz der falschen Ehr,
Betrügt den Hochmuth nur, die Kenner nimmermehr!
Drum, kann ich mich dereinst, nicht durch mich selbst erheben:
So will ich unbereimt, und ungelobet leben.
Der Ruhm, den ich verdient, der ist erst wirklich mein;
Der war bisher mein Ziel, der soll es ewig seyn!
Ich weis, was mir gehört, das wird mir niemand nehmen.
Die Misgunst muß sich doch nach dem Verdienst bequemen.
Und wenn dereinst mein Grab den schelen Neid versühnt,
So spricht er noch einmal: Sie hätte mehr verdient!
Dieß Lob ergötzt mich recht! dieß sind der Wahrheit Proben!
Er hat mein Fleisch gehaßt; er mag die Asche loben!
Die Kränze, die sein Arm auf unsre Grüfte streut,
Sind Zeichen wahrer Huld, und ächter Redlichkeit.
Doch, einzig theurer Freund! ich habe mich vergangen,
Ich komme nun zum Zweck, wobey ich angefangen.
Was red ich doch von Lob? Mein Gottsched! Du allein,
Und daß Du mich geliebt, das soll mein Lorber seyn!
Daß Du mich hast gelehrt, daß Du mich unterwiesen,
Das wird der Nachwelt noch durch manches Blatt gepriesen.
Wer solchen Meister hat, da stirbt der Schüler nicht;
Wenn ihm gleich das Verdienst zur Ewigkeit gebricht.
So leb ich denn durch Dich: wie könnt ich schöner leben?
Dein Ansehn wird mir schon Ruhm, Lob, und Ehre geben.
O schenke ferner mir das Glücke Deiner Huld!
O trage ferner noch die Fehler mit Geduld,
Die meine Schwäche zeigt. Ich will sie schon verbessern,
Wenn Zeit, Vernunft, und Fleiß, die matte Kraft vergrößern.
Der Himmel schenke Dich so lange nur der Welt
Bis Deine letzte Treu mir noch die Gruft bestellt.
Denn kann ich nur dereinst in Deinem Arm erkalten;
So will ich selbst den Tod, mir für ein Glücke halten.
Mehr wünsch ich jetzo nicht. Die Vorsicht, die Dich liebt,
Versagt Dir nichts von dem, was sie der Tugend giebt.
Die Weisheit, die so stark in Deiner Seelen wohnet,
Die läßt auch Dich, o Freund! gewiß nicht unbelohnet.
Doch soll Dein Glücke nie von größerm Glanze seyn,
So bin ich auch vergnügt. Ist nur Dein Herze mein;
So hab ich schon genug, und mag kein ander Glücke;
So bleibt kein einzger Wunsch für meinen Stand zurücke.
Doch eines fehlet noch. Wo bleibt Dein seltner Ruhm,
Der Dich so edel macht? dein ewigs Eigenthum?
O Freund! Du kennest ja die Schwäche meiner Seyten,
Ich kann Dir wahrlich noch kein würdig Lob bereiten.
Die Worte fehlen mir, wenn ich Dich loben will;
Das macht Du bist zu groß; der Sachen sind zu viel.
Ich schwör es, daß ich mich nicht leicht so niedrig achte;
Als wenn ich Deinen Werth und Dein Verdienst betrachte.
Den Werth, der unsrer Zeit Dich recht zum Muster stellt,
Und Dich der alten Schaar der Weisen zugesellt.
Den aber kann ich nicht in seiner Größe zeigen;
Drum, eh ihm was entgeht: so will ich lieber schweigen.
Doch nimm für diesesmal von mir was fremdes an,
Bis ich Dir mit der Zeit was bessers liefern kann?