187.

by Simon Dach

Lesbia, mein leben, Hat sich mir ergeben In gewünschter pflicht, Ich wil bey ihr stehen, Biß ich werde gehen Hie auß diesem licht. Was vor leid Ich jederzeit Umb sie hab ertragen müssen, Wil ich jetzt beschliessen. Die gewünschten freuden, So sie vor mein leiden Mir ertheilen wil, Sol kein leid beschweren, Ja sie sollen wehren Ohne maaß und ziel. Ihre zier Wil einig mir Sich in allen liebesfällen Zu gebothe stellen. Aller pracht und prangen Ihrer süssen wangen, Ihr korallen-mund, Ihre zarten hände, Ihrer armen bände. Sind mir nun vergunt. Ehe muß Ein überfluß, Als ein mangel in den sachen Mich verdrossen machen. Sind im obst viel kerne, Viel am himmel sterne, Wirfft der nord viel schnee, Sind viel rauhe wellen, Wenn die winde bellen Auff der wüsten see, Mehr sind küss', Ich weiß gewiß, Die sie mir zum liebes-zeichen Wird mit willen reichen. Solt ich solcher massen Mich gereuen lassen Meiner sorg und pein? Wer auff sein verdriessen Dieß hat zu geniessen, Kan nicht elend seyn! Elend kan Nicht seyn der mann, Dem sein lieb auff alles leiden Lohnt mit solchen freuden. (S. 436-438)

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