180.

by Simon Dach German

Nymfe, gieb mir selbst den mund, So wird mir dein hertze kundt, Reich mir deiner armen band, Der gewünschten liebe pfand! Denn so lange du noch nicht Mir gehorchen wirst, mein liecht, Wird dein lieben nur ein schein Und für nichts zu achten seyn. Treue lieb' ist jederzeit Zu gehorsamen bereit, Hat ihr thun gerichtet hin Auff des liebsten hertz und sinn. Glut bricht von sich selbst hervor Und stösst ihre flamm hervor, Wo sich rauch und dampff nur find, Muß vergehn durch lufft und wind. Schämst du aber dich vor mir, So gedencke, meine zier, Daß ich das bin, was du bist, Und werd' jetzt nicht erst geküsst. Wo ich mich, gleich wie du wol, Auch mit andern schämen sol, Würde nicht die gantze welt In gar kurtzer zeit gefällt? Venus hat sich, wie bekannt, Zum Adonis selbst gewandt Und mit ihm so manche nacht In der liebe zugebracht. Komm, der mond am firmament Hat sich schon zu uns gewendt, Komm, die nacht kömpt auch heran, Da sich küsset, was nur kann! Morgen, hör' ich, wilst du fort Von uns an ein frembdes ort Und wer weiß, auff welchen tag Ich dich wieder sprechen mag. Darumb hertz mich ohne scheu, Daß ich deiner inndenck sey! Ich bitt einmal noch jetzund, Nymfe, gieb mir selbst den mund! (S. 426-427)

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