Zum Abschied
(Letzte Nummer des „Sozialdemokrat,“ 27. Sept. 1890.) Ihr habt über ihn das Exil verhängt, Ihr Ritter von Bibel und Säbel; Ihr habt an den Fuß ihn der Gletscher versprengt Und in Englands stickige Nebel;
Wo immer er stand auf der Warte, Es blieb ihm das scharfe, das blitzende Schwert Und die flatternde rothe Standarte. Ihr habt ohne Rast, ohne Ruh bis zuletzt
Den stolzen Verfehmten gejagt und gehetzt – Wann ward er dem Kleinmuth zur Beute? Ihr habt ihm die Pässe verbaut und verstellt, Gelauert auf Wegen und Stegen,
Wann ist der Verfolgte erlegen? Er hat die Gebote der Wahrheit, des Rechts Mit hallender Stimme verkündigt Im Namen des armen, des wehrlosen Knechts,
Und ließt ihr auch wirbeln bei Tag und bei Nacht Die Trommeln in machtlosem Grimme – Wann habt ihr sie jemals zum Schweigen gebracht, Die eherne, drohende Stimme?
Der tief in die Seelen gesunken; Er hat sie zu wehender Flamme entfacht, Die scheinbar ersterbenden Funken; Er hat eure prahlenden Dämme zerwühlt,
Wann hat er die Arme erlahmen gefühlt, Wann erloschen im Herzen die Gluthen? Er hegte und pflegte den zartesten Keim, Es durfte das Hoffen nicht kranken;
Die Freistatt für trotz’ge Gedanken; Er hat die mahnenden Zeichen der Zeit Den Schwankenden, Bangen gedeutet, Er hat die Fanfaren geblasen zum Streit
Und nun er gebrochen, der lastende Bann, Und der heilige Volkszorn gewettert Und den gestern noch hochmuthgepanzerten Mann Vom Sessel der Ehren geschmettert, –
Sie das Recht jetzt errungen sich wieder, Nun legen getrost wir Standarte und Schwert In die Hände der Siegreichen nieder. Ihr habt unsern Händen sie anvertraut,
Den alten Kampfruf in trotzigem Laut Weithin in die Lande zu tragen. –
In des Fahnentuchs purpurne Falten
Wir glauben, wir haben’s gehalten!