Wohl dem / der nicht vonnöthen hat

by Hans Aßmann Freiherr von Abschatz

Wohl dem / der nicht vonnöthen hat
Gesunde Kost zu nehmen ein /
Dem an der herben Pillen statt
Gelinde Zucker-Körner seyn /
Dem der beliebte Reben-Safft
Vor süssen Julep giebet Krafft.

Es schmeckte nächst Clorellens Mund
Aus ohngefähr geschöpffter Lust /
Was krancke Leute macht gesund.
Wie schlecht bekam ihr diese Kost.
Was andern Krafft und Stärcke bracht /
Das hatte sie bald schwach gemacht.

Doch geht es dir nicht so allein /
Clorelle / meine süsse Zier:
Ich muß auch so gestraffet seyn /
Und leide gleiche Pein mit dir:
Dein Blick / der andre laben kan /
Hat meinem Herzen weh gethan.

Der süsse Vorschmack deiner Gunst
Erreget mir den kalten Brand;
Hier hilfft mir keines Arztes Kunst /
Mein Wohlseyn steht in deiner Hand /
Eh ich kan deinen Zucker-Mund
Beküssen / werd ich nicht gesund.
(aus: Anemons und Adonis Blumen S. 280-281)

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