Wiedersehn

by Christoph August Tiedge (1752–1841) · 1841 German

Wiedersehn!
Endlich tönt dir mein Willkommen!
Meine höchsten Huldigungen
Sollen dir entgegen wehn!
Endlich hab' ich dich errungen!
Hell, wie Frühlingsauferstehn,
Leuchtest du, o Wiedersehn!

Wiedersehn!
Neues, rosenvolles Leben!
Noch verhüllet dich ein Schleier;
Aber er wird niederwehn,
Und du wirst, zur Krönungsfeier,
Hell aus deiner Wolke gehn.
Laura werd' ich wiedersehn!

Wiedersehn!
Ja, ich werd' in deinem Lichte,
Heller Strahl aus dunkeln Nächten,
Hoch in deinem Lichte stehn!
Welche Kronen soll ich flechten?
Wie soll ich dein Fest begehn,
Wonnevolles Wiedersehn?

Wiedersehn!
Dir gebühret Harfnerfeier!
Lindenblüten, taumelt nieder
In das festliche Getön!
Töne meiner Herzenslieder
Sollen dich im Duft umwehn,
Hochwillkommnes Wiedersehn!

Wiedersehn!
Sieger mögen, ruhmbeladen,
Unter zugeworfnen Kränzen,
Stolz durch Volksgepränge gehn!
Bluttrophäen mögen glänzen!
Sanft, wie Harfenlispel wehn,
Ist der Liebe Wiedersehn.

Wiedersehn
Ist der Liebe schönste Feier.
Gebt mir Kronen! Rosenkronen!
Meine Königin soll schön,
Wie die Lieb', in Rosen thronen!
Opferduft soll dich umwehn,
Feierliches Wiedersehn! (Band 2 S. 14-16)
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