Was kosten die Soldaten?

by Kurt Tucholsky

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     Was kosten die Soldaten?

Wir haben Lungenkranke, die brauchten Berg und Schnee; sie heilen –? Kein Gedanke! Wir brauchen die Armee.

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Da kostet jeder Junge

mit Stiefel und Gewehr pro Mann eine Lunge –!      Das ist unser Heer. Von dem, was die verschwenden,

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von dem, was da veraast:

könnten wir Gutes spenden, wo die Schwindsucht rast. Der Proletarierjunge krepiert so nebenher …

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Pro Mann eine Lunge –

     das ist unser Heer.

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Es fällt durch graue Scheiben

ein trübes Tageslicht; die Kranken, die da bleiben,

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überleben den Sommer nicht.

„Zeigen Sie mal die Zunge! Na ja – das wird nichts mehr!“ Pro Mann eine Lunge –      das ist unser Heer!

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Sie haben Feldgeschütze,

Schiffskreuzer und Musik; in schwarz-rot-goldner Mütze bezahlts die Republik.      Sie setzen an zum Sprunge.

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     Sie sind das Militär.

     Sie stehlen uns Herz und Lunge.      Wann – Junge! Junge! –      wirfst du sie in hohem Schwunge      ihrem Kaiser hinterher –?

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