Vorübergehen

by Bruno Ertler

Alles ist ein Vorübergehen —
Grüßen — tastendes Händereichen —
und wenn wir uns in die Augen sehen,
so ist es ein Fragen, ein Abwehr-Flehen,
halbes Begreifen — halbes Entweichen.

Doch ist uns das bange Wunder geschehen,
daß wir tiefer Gemeinschaft heilige Zeichen
erschauernd plötzlich an uns verstehen —
dann mögen wir wohl wie im Traume gehen
und nächtlich blühenden Bäumen gleichen.

Denn über Wort und Gebärde weit
ist solcher Stunde Versunkenheit —
wie Lieder, die aus der Ferne wehen
und fernhin gehen nach goldenen Reichen. — (S. 15)
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