Vergiß

by Adolf von Tschabuschnigg (1809–1877) · 1833 German

Vergiß! das ist mein leztes Wort im Scheiden,
Reich' lächelnd mir die Hand hin und vergiß!
Vergiß das Weh und deine kleinen Freuden,
Vergiß den Flitterkranz, weil er zerriß!

Vergiß! dies eine Wort kann ich dir geben,
Für's Dasein weih' ich mit dem Wort' dich ein; -
Vergessen heißt die eine Hälfte Leben,
Die and're Hälfte die heißt - fröhlich sein.

Vergiß, daß du gejubelt und geweinet,
Fang' neu zu lächeln und zu weinen an,
Vergiß die Stunden, die uns einst vereinet;
Vergiß dich selbst und mich - und was verrann!

- Wie, Thränen! weg damit von frischen Wangen,
Raub an dem Leben ist Erinn'rungschmerz, -
Sieh' mich noch einmahl an, bin ich gegangen,
Wirf dich vergessend an ein and'res Herz!  (S. 74)
_____

More poems by Adolf von Tschabuschnigg

  • An *

    Leise kam es, wie so Vieles,
    Unter Scherz und unter Lust
    Stand ich an dem End' des Zieles, …
  • Auf Nimmerwiedersehen

    Bin oft von dir gewandert,
    Kam aber stets zurük,
    Hab' lächelnd dir getroknet …
  • Begegnung

    Da drängtest du dich wieder mir entgegen,
    Verwegen war der Laune Wunsch und toll,
    Fort gingen wir auf weitzerriss'nen Wegen, …
  • Das Ländchen der Liebe

    Voll Kämpfe und Falschheit, gar arg ist die Welt,
    Gar übel zumahl ist's auf Erden bestellt,
    Doch kenn' ich ein friedliches, freundliches Land, …

All poems by Adolf von Tschabuschnigg →