Vergänglichkeit
[154] Vergänglichkeit Streck deine Beine, mein hübscher Genoß; Deine schwarzen Strümpfe aus Fil d’Ecosse Reichen dir weit bis über die Kniee, Wenn ich sie dir nicht noch höher ziehe.
Deine schwarzen Strümpfe; ich sterbe dafür. Hell schimmert die Haut durch die weiten Maschen, Man möchte von außen schon daran naschen. Dabei legst du deine Füße so friedlich
Gestreckt – die Seligkeit, sie dir zu binden, Kann im Himmel nicht ihresgleichen finden. Dein schwarzer Lockenkopf, deine blassen Wangen, Dein splitternackter Mund, deine bangen
Doch haben nicht sie mich verrückt gemacht. Deine Unwiderstehlichkeit liegt in den Beinen. Seh’ ich dich kommen, so möcht’ ich weinen. Du hebst die Kniee in einem Takt,
[155] Ich will dir zum ewigen Angedenken Ein Paar Strumpfbänder in zartem Lila schenken Mit goldenem Wappen, denn du bist in der Tat Ein Mädchen und ein junger Aristokrat.
Wenn er sich zuweilen als Mädchen verkleidet; Aber deine Mutter sagt mir, du seist Durchdrungen von ritterlichem Geist, Du bestehest mit Glanz die schwierigsten Examen
Niemand glaubt mir in dieser Welt, Wie mir das an dir, meinem Schützling gefällt. Noch bist du Cherub. Wenige Wochen, Dann ist wohl die Knospe schon aufgebrochen;
Der dir so zärtlich die Locken strich. Wie schade, daß alles Schöne vergeht, Auch deine Hoheit. Die Pubertät Macht dich den übrigen Flegeln ähnlich.