Verdammte Frauen

by Charles Baudelaire

Wie rinder sinnend auf den uferkieseln So blicken sie zum fernen himmelsrand · Mit sanftem sehnen und mit fieberrieseln Verschlingt sich fuss mit fuss und hand mit hand.

5
Die einen beichten ihrer herzen triebe

Im dunklen busch und an des baches saum · Sie reden von der bangen kindheitliebe Und ritzen schrift in einen jungen baum. [158] Und jene ziehn wie schwestern durch die wüste

10
Wo manche wunderbare that geschah ·

Wo Sankt Anton die nackten purpurbrüste In der versuchung sich erheben sah. Ein andrer teil der bei des peches dünsten Im stummen schlund von zauberhöhlen weilt

15
Ruft dich herab in ungestillten brünsten ·

O Bacchus! der die alte reue heilt. Noch andre schmücken sich mit skapulieren Und bergen geisseln in der kleider bausch · Sie mischen nachts in einsamen revieren

20
Der folter thränen mit der freude rausch.

Ihr mädchen weiber · dulder oder sünder · Beherzte spötter ihr der wirklichkeit · Des unbegrenzten eifrige ergründer Die ihr in wildem wechsel weint und schreit:

25
In mitleid folgt ich euch in eure hölle ·

Euch armen schwestern bin ich zugewandt Ob eurer qual ob eurer gierden völle Ob eurer herzen gross und liebentbrannt.

More poems by Charles Baudelaire

All poems by Charles Baudelaire →