Venus Consolatrix
erblaßte scheu vor seiner milden Pracht. Er schien auf meine dunkle Zimmerwand, und wie aus unerschöpflicher Phiole
die schwarz, seit lange leer im Winkel stand. Auf einmal fing die Säule an zu leben, und eine Frau erhob sich aus dem Glanz, die trug im schwarzen Haupthaar einen Kranz
Ihr Morgenkleid von weißem Sammet glänzte so sanft wie meine Heimatflur im Schnee, die Rüsche aber, die den Hals begrenzte, so blutrot wie die Blüte Aloë,
als ob da Sehnsucht nach dem Südmeer schliefe.
ich sah erstaunt an ihren Handgelenken die starken Pulse springen und sich senken,
du bist mühselig und beladen, komm, wer viel geliebt, dem wird auch viel verziehen, du brauchst das große Leben nicht zu fliehen, durch das dein kleines lebt; o komm, sei fromm!
und nestelte an ihren seidnen Litzen und öffnete das Kleid von weißem Plüsche und zeigte mir mit ihren Fingerspitzen, die zart das blanke Licht des Sternes küßte,
dann sprach sie weiter: Sieh! dies Fleisch und Blut, das einst den kleinen Heiland selig machte, bevor ich an sein großes Kreuz ihn brachte, Maria ich, die Nazarenerin,
für das der große Heiland sich erregte, bevor ich in sein kleines Grab ihn legte, Maria ich, die Magdalenerin –
Und lächelnd ließ sie alle Kleider fallen und dehnte sich in ihrer nackten Kraft; wie heilige Runen glänzten auf der prallen Bauchhaut die Narben ihrer Mutterschaft,
bis tief ins schwarze Schleierhaar der Scham. Da sprach sie wieder und trat her zu mir: willst du mir nicht auch in die Augen sehn? und meine Blicke badeten in ihr.
ließ mich umarmt durch tiefe Meere schweben, mich selig tiefer, immer tiefer streben, ich glaube auf den Grund der Welt zu sehn, weh schüttelt mich ein nie erlebtes Leben,
umklammernd, während wir verbeben, stamml’ich: o auf – auf – auferstehn! –