Uebermuth

Es ritten selbander die Königsmaid
Und ihr Edelknabe zum Schlosse,
Sie ritten im Abendroth Seit' an Seit',
Im Schritte gingen die Rosse.

Sie sah vor sich nieder in stolzem Muth,
Im Wind ihre Locken schwammen,
Ihm aber standen die Wangen in Gluth,
Die Rößlein spielten mitsammen.

"Herr Page, es dünkt mich Ihr seid zu frei
Und wißt Eu'r Roß nicht zu führen,
Ihr habt mein königlich Kleid nicht Scheu
Mit Eurem Fuß zu berühren."

Dem Buben wurden die Wangen schneeweiß,
Er fuhr empor in den Bügeln,
Er hielt sein Rößlein zurück mit Fleiß,
Doch die Seufzer konnt' er nicht zügeln.

"Herr Page, Euch macht wohl das Reiten Noth,
Ihr seufzt fast über Gebühren,
Nicht schelten soll mich Eu'r früher Tod,
Ich laß Euch billig das Führen."

Da wurden dem Buben die Augen blank,
Sein Rößlein bracht' er zum Stehen,
Er schaute ihr nach und sein Herz war krank,
Vor Thränen konnt' er nicht sehen.

Sie aber wandte im Sattel sich,
"Herr Page, laßt Rath Euch frommen,
Schaut fleißiger vor Euch, sonst sicherlich
Zu Falle werdet Ihr kommen."

Und wie sie zum Schloßhof reitet herein,
Der Thorwart grüßend sich neiget:
"Wo säumt Eu'r Edelknecht, Herrin mein,
Er hat sonst treu sich bezeuget?"

Und wie sie im Hofe sich schwingt vom Pferd,
Der Roßbub' kann's nicht verschweigen:
"Wo blieb Eu'r Edelknab' werth,
Er war im Treuen Eu'r eigen?"

Und wie sie die Halle lachend betritt,
Es zürnet des Königs Stimme:
"Was thatst Du dem Buben, der mit Dir ritt,
Dem treuen Knaben, Vielschlimme?"

Sie aber streichet die Locken sich
Aus der heißen Stirne mit Lachen,
"Wer hat zum Hüter bestellet mich,
Sein blondes Haupt zu bewachen?

Im Wald verirrt ist das tolle Kind,
Ihm ist, was recht ist, geschehen,
Es wollt' nicht hören und hat sich blind
An meiner Schönheit gesehen."

Aus: Poetischer Nachlaß
von Freiherrn Karl von Fircks
Leipzig Franz Wagner 1871

Collection: 
1864

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