Tristan und Isolde

by Gerrit Engelke (1890–1918) · 1921 German

Sie tranken Blut aus ihrer Schale - - -

Der Feuerfunken in sie säte,
Den sie als Herrin herbefahl,
Der aufrecht sie mit Trotz verschmähte:
Dem reichte sie den Giftpokal.

Sie reichte ihm den schweren Becher,
Er blickte kühl, blieb stumm und trank.
Ihr Arm, der herrisch gab, ward schwächer,
Als sie die Neige trank - er sank.

Ein bittres Warten beide füllte -
Sie standen atmend, blickgebannt - -
Schwand nicht der Trotz, der ihn umhüllte?
War diese Glut ihr Todesbrand?

Sie tranken Blut aus ihrer Schale,
Sie tranken rotes Liebesblut -
Da quoll aus diesem Todpokale,
Sie jäh durchströmend: Liebesflut!

Sie fielen, Mund zu Mund gefunden,
So in Umarmung ohne Wehr,
Sie sanken hin, bedrückt, gebunden
Von neuem Leben überschwer.

Sie tranken Blut aus ihrer Schale. (S. 202)
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