Trinkspruch

by Heinrich Kämpchen

[114] Trinkspruch *).[1] So sprach der Wirt vom „Faßverein“: Willkommen, wack’re Mannen! Ich lade euch zur Nachtschicht ein, Gefüllt sind schon die Kannen.

5
Auch liegt da unten Faß bei Faß,

Ihr Herr’n, vom allerbesten Naß, Wir brauchen nicht zu dürsten. – Zudem läßt man die reichste Huld Hier angedeih’n dem Zecher,

10
Es wird gestraft nicht und genullt

Für Mindermaß im Becher. – Ein jeder trinkt so viel er kann, Und wer den tiefsten Zug gewann, Ist König von der Runde. –

15
Die Temp’ratur dabei entspricht

Ganz uns’rem Wohlgefühle, Wir leiden von der Hitze nicht Und auch nicht von der Kühle. – Doch straffe Ordnung wird geführt,

20
Und wer da muckst und nicht pariert,

Fliegt ohne Gnad’ und Schonung. Bei Tage währt die Arbeitszeit Nicht lang’, wie die der Nächte, Doch gibt’s dafür Gelegenheit

25
Zum Suchen neuer Schächte. –

Und machen wir ’ne Ueberschicht, Wir fordern Zahlung dafür nicht, Der Stoff ist uns Genüge. – So sprach der Wirt vom „Faßverein“

30
Im Kreise seiner Gäste,

Und lud dabei zum Trinken ein Die Herr’n auf’s allerbeste. Und sie, sie lachten Sympathie Ihm zu der „schönen“ Parodie

35
Von uns’rem Bergmannselend.

More poems by Heinrich Kämpchen

All poems by Heinrich Kämpchen →