Stille Befürchtung

by Frank Wedekind (1864–1918) · 1905 German

Seit ich dir mein ganzes Herz entladen,
Peinigt mich geheimnisvolles Weh:
Morgens drängt’s mich seltsam, mich zu baden;
Abends treibt’s mich mächtig ins Café;

Nachts umgaukeln mich verrückte Träume,
Daß die Seele bang um Hilfe schreit;
Eng’ bedrücken mich des Himmels Räume,
Die Gewänder werden mir zu weit;

Vor den Augen schwirrt ein schwarzer Falter –
Sprich, o sprich, wie soll ich das verstehn!
’s ist ein heimlich zartes Knospenalter;
Doch nicht Liebe scheint mir aufzugehn.

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