Still zu deinem Buche greifst du

by Georg Friedrich Daumer

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 CLXVI. Still zu deinem Buche greifst du,      Zum Pokale greift Hafis; Zur Vollendungskrone reifst du,      Zum Verderben reift Hafis.

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In gewohnter Schranke bleibst du,

     Ein geduldig frommes Schaf; Als ein Leu aus seinem Gitter      In die Wilde schweift Hafis.

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Eitel gute Werke häufst du,
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     Strahlender Verdienste Berg;

Fürchterlich zu aller Stunde      Seine Sünden häuft Hafis. Viele fromme Herzen stärkst du      Durch gelehrten Unterricht;

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Mächtiglich in aller Thorheit

     Alle Thoren steift Hafis. Mörderische Klingen schleifst du,      Ziehend in den Ketzerkrieg; Seine Versediamanten,

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     Seine schönen, schleift Hafis.

Hoch hinauf zum Himmel steigst du      Als ein qualmend Rauchgewölk; Eine frische Felsenquelle,      Tief zu Thale läuft Hafis.

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Fass’ ich es in  eine  Stanze;

     Ewig, o du armer Mann, Träufst du nur von Bitterkeiten,      Und von Süße träuft Hafis.

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