Still zu deinem Buche greifst du

by Georg Friedrich Daumer (1800–1875) · 1846 German

CLXVI.

Still zu deinem Buche greifst du,
Zum Pokale greift Hafis;
Zur Vollendungskrone reifst du,
Zum Verderben reift Hafis.

In gewohnter Schranke bleibst du,
Ein geduldig frommes Schaf;
Als ein Leu aus seinem Gitter
In die Wilde schweift Hafis.

Eitel gute Werke häufst du,
Strahlender Verdienste Berg;
Fürchterlich zu aller Stunde
Seine Sünden häuft Hafis.

Viele fromme Herzen stärkst du
Durch gelehrten Unterricht;
Mächtiglich in aller Thorheit
Alle Thoren steift Hafis.

Mörderische Klingen schleifst du,
Ziehend in den Ketzerkrieg;
Seine Versediamanten,
Seine schönen, schleift Hafis.

Hoch hinauf zum Himmel steigst du
Als ein qualmend Rauchgewölk;
Eine frische Felsenquelle,
Tief zu Thale läuft Hafis.

Fass’ ich es in eine Stanze;
Ewig, o du armer Mann,
Träufst du nur von Bitterkeiten,
Und von Süße träuft Hafis.

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