Starensang

by Heinrich Kämpchen

[19] Starensang. Was plauderst du, mein lieber Star, Vom Birnbaumast denn immerdar? – Du wiegst den Kopf, dein Schnabel knackt, Und mit den Flügeln schlägst du Takt. –

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Erzählst du mir vom Sommerland,

Vom Dattelbaum, vom Wüstensand? – Sahst du des Niles trübe Flut? – Hast du am Ganges ausgeruht? – Nun kann dein Plaudern ich versteh’n,

10
Du sprichst von dem, was du geseh’n,

[20] (Die kleine Schwinge trug dich weit) Von Wanderlust und Wanderleid. – Aus Nordlands Nebeln dumpf und dicht Zog’s dich nach Südland’s Zauberlicht –

15
Du sah’st der Palmenhaine Grün,

Die Myrte und den Lotos blüh’n. – Vor deinen Augen hat gelacht Der Tropen bunte Farbenpracht, Und dennoch trieb dich wieder her

20
Die Sehnsucht über Land und Meer. –

Zum Norden, nach der Stätte traut, Wo du so froh dein Nest gebaut, Zur Heimat zog’s dich wieder hin, Vom schönen Süd, beim Lenzbeginn. –

25
Das plauderst du, mein lieber Star,

Vom Birnbaumast mir immerdar – Und wenn dein Schnabel schnarrt und knackt, Schlägst mit den Flügeln du den Takt. –

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