Sonett CXLIX.

by William Shakespeare

Kannst, grausam, sagen du, ich lieb’ dich nicht, Da deine Seit’ ich nehme gegen mich? Denk’ ich nicht dein, wenn gegen mich die Pflicht Ich selber mir verweigre, nur für dich?

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Wer hasset dich, der mir noch Freund geblieben?

Wem zürnst du, dem ich zugewandt mein Herz? Wenn du mir grollst, hab’ ich nicht selbst betrieben Die Rach’ am eignen Selbst mit Klag’ und Schmerz? Hab’ je ich ein Verdienst an mir gepriesen,

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Das dir zu dienen nicht begehrt als Glück?

Da deinem Fehl selbst Ehre stets erwiesen Mein beßres Theil, beherrscht von deinem Blick.     Doch hasse, Lieb, mich, ich verstehe dich,     Nur Sehende liebst du, und blind bin ich.

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