Sie floh. vor mir wie’n Reh so scheu

by Heinrich Heine

Sie floh vor mir wie’n Reh so scheu, Und wie ein Reh geschwinde; Sie kletterte von Klipp’ zu Klipp’, Ihr Haar das flog im Winde.

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Wo sich zum Meer der Felsen senkt,

Da hab’ ich sie erreichet, Da hab’ ich sanft mit sanftem Wort Ihr sprödes Herz erweichet. Hier saßen wir so himmelhoch,

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Und auch so himmelselig;

Tief unter uns, ins dunkle Meer, Die Sonne sank allmählig.

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Tief unter uns, ins dunkle Meer,

Versank die schöne Sonne;

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Die Wogen rauschten drüber hin,

Mit ungestümer Wonne. O weine nicht, die Sonne liegt Nicht todt in jenen Fluthen; Sie hat sich in mein Herz versteckt

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Mit allen ihren Gluthen.

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