An seine erste Freundinn

by Paul Fleming


Du aber/ Edler Geist/ gedenckst noch nicht zu gläuben/
was mein getreuer Mund dir offt und viel verspricht.
Herz/ hör' es doch einmahl/ weil ich bin bey dir nicht/
So kan ich nicht vorbey/ ich muß es an dich schreiben.
Du bist die Liebste noch/ und wirst die Liebste bleiben/
ob das Verhängnüß gleich uns von einander bricht/
und gönnet uns nicht uns/ so bleibt doch unser Pflicht/
So lange werden stehn deß runden Himmels Scheiben.
Bezwinge dich durch dich/ und fall dir selbsten bey.
Gedencke meines Eyds/ und sey deß zweifelns frey/
deß Zweifelns/ das/ Lieb/ dich mit diesem trauren plaget.
Ich will dein treuer seyn/ dieweil ich werde seyn.
Wilst du denn über diß noch haben einen Schein/
So frag die Liebste selbst/ Ich habs Ihr offt gesaget.
(S. 606-607)

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