Schmerz im Mai

by Heinrich Kämpchen

[21] Schmerz im Mai. Wieder in den Maientagen Hör’ ich Nachtigallen schlagen, Und ich lausch’ dem süßen Klang Sehnsuchtsvoll und schwermutsbang’. –

5
Seh’ ich doch die Jugendzeiten

Wieder still vorübergleiten, Mit der Lust in Wald und Hag, Nachtigall, bei deinem Schlag. – Alle Träume kehren wieder,

10
Alle längst verklung’nen Lieder

Einen sich mit deinem Schall, Philomele, Nachtigall. – Aus den Augen fühl’ ich’s tropfen, Meine Pulse hör’ ich klopfen,

15
Und die Seele weilet fern

Bei der Jugend – ach so gern. – [22] Doch die Jugend kehrt nicht wieder Und verschollen sind die Lieder, Mit dem wundersüßen Klang,

20
Die ich einst als Knabe sang. –

Sehnsucht kann mich nur verleiten, Meine Arme auszubreiten. – Doch umsonst – bei deinem Schall, Philomele, Nachtigall. –

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