Schönheit

by Heinrich Kämpchen

[128] Schönheit. Nach Schönheit dürstet die Seele mir Von früh’ster Jugend an, und immer noch, Deckt auch der Reif des Alters schon mein Haupt, Bin schönheitsdurstig ich und späh’ und späh’

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Nach Götterbildern, wie die Sehnsucht sie

Mir vor die Seele zaubert – doch umsonst! – Umsonst! – Ein Kärrner fron’ ich in dem Joch Der groben Alltagswelt – nie wird mein Aug’ Die sonnigen Gefilde Griechenlands,

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Neapels Golf und den Vesuvus schau’n. –

Wo auch die Schönheit thront – mir frommt es nicht! Ob funkelnd Nordschein ihr die Stirn umstrahlt Gewitterhaft. – Ob unter Lotos sie Am heil’gen Ganges träumt – mir frommt es nicht! –

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Arm, arm zu sein, bei so viel Schönheitsdurst!

Erkennen, wissen, hungern und doch nie Die Sehnsucht stillen an der Göttin Brust. – Erkennen, wissen, hungern immerfort – Und doch nie kosten von der Schönheit Frucht,

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Die lockt und winkt – o Qual des Tantalus!

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