Rhythmen (zweite Reihe)

by Felix Dörmann

Vrchlicky 1. Dein Antlitz ist bleich und rein Wie Mondlicht. Nur deine Lippen lodern In brennendem Rosenrot. Weich und tief, Versöhnung singende Orgellaute, Quellen Worte des Herzens Von Deinen sündhaft schönen Lippen, Und in meine zuckende Seele Träufelst Du Lindernden Balsam. 2. So laß mich knien vor Dir Tief im Staube, Laß mich Deine schmalen Hände Leise küssen; In diesen tränenfeuchten, Dunklen Augen Wohnt das Mitleid, Wohnt die Alles vergebende, Göttliche Liebe. O laß mich knien vor Dir Tief im Staube. – 3. Ich möchte beten, Beten aus tiefster Seele, - Und weiß nicht zu wem; Denn ich glaub' es nicht, Daß über der Sterne Funkelndem Reigen Ein Vater thront. Und so sing' ich denn Meiner Seele Jubelfanfaren, All ihre jauchzende, Trunkene Seligkeit Hinaus in die Welt, In die kalte, blütenarme Welt: Noch kann ich lieben, Noch kann ich lieben, Tief und keusch und wunschlos! Ich möchte danken - Und weiß nicht wem, Ich möchte singen, weinen und beten. 4. Kalt und schneidend Zog der Dezembersturm Über meiner Seele Weiße Rosen. All die süßen, Frühlingstrunknen, Aufblühenden Knospen Hangen nieder und sinken nieder, Verbrannt und verdorrt, Von Frost und Rauhreif. Weiße Blätter rieseln, rieseln Eins ums andere Immer weiter, Endlos weiter. Doch wenn sie die Dornen berühren, Die bösen Dornen, Dann sickern dunkelrote, Blutige Tropfen Aus den weißen, Zarten Blüten. Es ist heißes, starkes, Achtlos verquellendes Herzblut … (S. 86-88)

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