Madonna Lucia

by Felix Dörmann

Und bist Du wie Marmor so starr und so kalt Und kennst Du der Liebe Dämonengewalt Bisher nur vom Sagen und Singen, So wallet wie siedende Lava mein Blut Und weckt auch in Dir die verhaltene Glut - Ich will Deine Lieb' noch erzwingen! Lagst Du mir nur einmal, nur einmal im Arm, Und saugten die Lippen nur einmal sich warm, Im tobenden Aufruhr der Sinne, Dann bricht auch in Deine gefühllose Brust Bacchantisch, unzähmbar, für immer die Lust, Dann schwörest auch Du zu der Minne. 2. Du mußt in mir versinken, Mir ganz zu eigen sein, Ich will Deine Seele trinken Wie feuerflüssigen Wein; Und wenn sich zur Liebesekstase Die schäumende Wollust gesellt, In stammelndes Liebesgeflüster Der Schrei des Genusses gellt, Und wenn dann – fester und fester - Dein zitternder Arm mich umschlingt, Und in die erstickenden Küsse Lethargisches Röcheln erklingt, - Dann bist Du für immer mein Eigen, Du sinneberückendes Weib, Und mein ist die mystische Seele Und mein ist der leuchtende Leib … Du mußt in mir versinken, Mir ganz zu eigen sein, Ich will Deine Seele trinken, Wie feuerflüssigen Wein. 3. O laß mich, laß mich umranken Die schmiegsam volle Gestalt, Laß Busen mich betten an Busen Mit stürmischer Glutengewalt. O laß mich in trunkener Liebe Durchwühlen Dein flimmerndes Haar, Wundküssen die zuckenden Lippen, Der Lider kühles Paar. Ich liebe Dich übermenschlich, Du bleiches Medusengesicht, Und weiß, daß Deine Seele Schon für die meine spricht. Was soll das törichte Weigern, Das halberstickte "Nein", Du wirst in meinen Armen Noch todeszärtlich sein! 4. Es schläft in Deinem Auge Ein Liebeswahnsinn-Atom, Noch scheut und fürchtet die Seele Den tosenden Flammenstrom. Ich aber will ihn entfesseln, Und sei es mit frevelnder Faust, Ich will, daß sein Gluthauch betörend Zwei selige Menschen umsaust. Auch Deine Seele dürstet Nach einem Liebesmeer, Es brennen und glühn Deine Hände, - Dein Herz glüht tausendmal mehr. Du schweigst und Du zitterst, Lucia, Und über Dein Antlitz fliegt Ein heißes, dunkles Erröten - Lucia – Du bist besiegt! 5. Ein fahles Mondlicht zittert Durchs offene Fenster herein, Dein nackter Leib erschimmert Wie mattes Elfenbein; Die halbgeschlossenen Augen, Sie glühen begehrend mich an - Dann flüsterst Du innig und leise: Du lieber, Du teurer Mann. Und Deine kühlen Arme, Sie reißen mich an die Brust, Und ich küsse die wogende, heiße, Und wilder erfaßt uns die Lust. Von Deinen Lippen ringt sich Ein jauchzender Liebesschrei, - Und achtlos rollen die Stunden In endlosen Küssen vorbei. 6. Der Tag ist langsam verronnen, Die Nacht bricht endlich herein, Zu seliger Liebe Wonnen Leuchtet der Sterne Schein. Wie sind Deine schneeigen Glieder Vom Feuer der Liebe durchloht, - Und wieder küss' ich und wieder Die Lippen so heiß und so rot. Den Haaren die Funken entstieben, Wenn zitternd die Hand sie durchwühlt, Ja, Du kannst küssen und lieben, Wie Du hat noch keine gefühlt. Gefangen nimmst Du die Sinne Das Herz und den Geist und den Leib, Du bist die Fürstin der Minne, Du liebegewaltiges Weib. - --------------------------------------- Schon brennt die Ampel trüber, Schon zeigt sich Frührotschein - Wär' erst der Tag vorüber Und bräch' die Nacht herein. 7. Die müden Leiber ruhen Jedweder Regung bar, Und um uns beide flutet Narkotischen Duftes Dein Haar. Noch sind die heißen Glieder Einander angeschmiegt, Noch küssen sich die Lippen, Bis uns der Schlaf besiegt. 8. Aus dunklen Seelentiefen Steigt's herzerschütternd empor, Es quellen qualengepeitschte, Wildschmerzliche Tränen hervor. Wie hab' ich einst empfunden So lauter, keusch und tief, Eh' Dein berückender Anblick Die schlafende Wollust rief. 9. Ich könnt' Dich erwürgen, Lucia, Wie giftige Vipernbrut, Ich möchte Dein Antlitz zerfetzen, Zerstampfen in rasender Wut. Was stachelst Du wieder und wieder Erlöschende Sinnengier, Hinweg mir aus den Augen, Mir ekelt, ekelt vor Dir. (S. 93-98)

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