In Reih und Glied
(1890.) Als ihr in eurem finstern Hasse Das drohende Gesetz erdacht, Das uns zu Deutschen zweiter Klasse Mit einem Federstrich gemacht,
Von allen ohne Unterschied; „Wir können hier nur widerstehen In Reih und Glied.“ Wir ließen schweigend uns verdammen,
Und schweigend rückten wir zusammen, Bis Schulter man an Schulter stand. An Spree und Belt, am Rhein, in Sachsen Erklang der Gegner Unkenlied;
In Reih und Glied. Und als nach bangen, schwülen Wochen, In denen keiner feig gebebt, Das finstre Wetter losgebrochen,
Als laue Freunde ab sich wandten Und die Geächteten man mied, Da haben mannhaft wir gestanden In Reih und Glied.
Ja oftmals seelische Tortur, Und staunend wird der Enkel lesen, Was seinen Ahnen widerfuhr; Doch sagen ihm vergilbte Blätter:
Sie standen fest in Sturm und Wetter In Reih und Glied.
Es waren Feinde, was wir sahn;
An uns ihr Aeußerstes gethan. So mancher sank zu unserm Trauern, Der nie den Tag des Sieges sieht, Wir aber standen wie die Mauern
Nie hat ein augenblicklich Schwanken Die feste Ordnung übermannt; Wir haben einen Gluthgedanken Und eine Hoffnung nur gekannt.
Doch nun das Wetter sich verzieht, Sieht staunend uns die Welt geschlossen In Reih und Glied. So unser Haß, wie unser Lieben,
Sie sind, ein Fels im Meer, geblieben, Und nur der Kanzler war’s, der ging. Sein Fürstenmantel ward den Motten Zum unbestrittenen Gebiet,
In Reih und Glied. Nach solchen unerhörten Siegen, Errungen über Macht und List, Mag sich ein Thor im Wahne wiegen,
Der Mann, der auf dem Gegner kniet? Wir werden, was nun kommt, erharren In Reih und Glied!