Radbod
[60] Radbod. (Ein Nachtstück.) Dräuend, ein Ungetüm, Reckt der Schachtturm seine Eisenstirn Zum Nachthimmel. – Um ihm, von ihm
Wie Phosphorgefunkel, Wie Dunst der Verwesung. – Ein Beinhaus - riesig, ungeheuer – (Sarkophag und Mausoleum)
Und die Nacht hockt darauf. – Sie, die Nacht, Wittert den Leichenduft, Der daraus emporsteigt,
Wie die Hyäne den Grabesodem, Und schlürft ihn mit Wollust. – Radbod und Nacht! – Grauen zu Grauen,
[61] Und die Fäule im Erdbauch, Als Genossin sich zugesellend, Speit ihren Gifthauch Aus Kluft und Spalt –
Aber das ist es nicht, Was die Nacht birgt Mit ihrem Mantel, Dem dichten. –
Unter Trümmern und Schutt, Die Toten von Radbod, Sind doch nicht tot! – Wenn der Tag schläft,
Bei Schweigen und Oede Werden die Stimmen der Tiefe wach, Leben die Toten. – Sie winseln und wimmern nicht,
Sie heischen Gericht, Sie fordern Sühne. – Und immer neu Und immer wieder,
Wird aus der Tiefe Die Mahnung kommen: Gebt Recht den Toten! – – – – – – – – – – – – So ruft es heute,
In Zukunft rufen, Wenn auf dem Schachte, Dem gottverfluchten, Dem „Mörder“ Radbod,
Die graue Riesin: Gebt Recht den Toten! –