Prometheus

by Johann Wolfgang Von Goethe

[207]
Prometheus.

     Bedecke deinen Himmel, Zevs, Mit Wolkendunst, Und übe, dem Knaben gleich, Der Disteln köpft,

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An Eichen dich und Bergeshöhn;

Müßt mir meine Erde Doch lassen stehn, Und meine Hütte, die du nicht gebaut, Und meinen Herd

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Um dessen Gluth

Du mich beneidest.      Ich kenne nichts ärmers Unter der Sonn’ als euch, Götter! Ihr nähret kümmerlich

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Von Opfersteuern

Und Gebetshauch Eure Majestät, Und darbtet, wären

[208]
Nicht Kinder und Bettler
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Hoffnungsvolle Thoren.

     Da ich ein Kind war, Nicht wußte wo aus noch ein, Kehrt’ ich mein verirrtes Auge Zur Sonne, als wenn drüber wär’

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Ein Ohr zu hören meine Klage,

Ein Herz wie mein’s, Sich des Bedrängten zu erbarmen.      Wer half mir Wider der Titanen Übermuth?

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Wer rettete vom Tode mich

Von Sklaverey? Hast du nicht alles selbst vollendet, Heilig glühend Herz? Und glühtest jung und gut,

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Betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden da droben?      Ich dich ehren? Wofür? Hast du die Schmerzen gelindert

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Je des Beladenen?
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Hast du die Thränen gestillet

Je des Geängsteten? Hat nicht mich zum Manne geschmiedet Die allmächtige Zeit Und das ewige Schicksal,

45
Meine Herrn und deine?

     Wähntest du etwa, Ich sollte das Leben hassen, In Wüsten fliehen, Weil nicht alle

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Blüthenträume reiften?

     Hier sitz’ ich, forme Menschen Nach meinem Bilde, Ein Geschlecht, das mir gleich sey, Zu leiden, zu weinen,

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Zu genießen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten, Wie ich!

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