Poetenreise

by Heinrich Kämpchen

[73] Poetenreise. Nun will in Luft und Sonnenschein Ich mir die Glieder baden, Will wandern in das Land hinein Auf maiengrünen Pfaden.

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Zur Bergeshöh’, zum Talesgrund,

Wo’s sonnig ist und farbenbunt, Will ich die Schritte lenken. – Gepäck, Ballast – das gibt es nicht, Will leicht und fröhlich wandern,

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Was mich beschwert an Zollgewicht,

Das überlaß ich andern, Die vollbepackt auf Reisen geh’n – Ich will nur Menschen, Menschen seh’n Und die Natur belauschen. –

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Den grünen Wald, den Wasserfall,

Der von den Felsen springet, Die Berge mit dem Widerhall, Wenn froh der Hirte singet – Die Burgen, die in Trümmern steh’n,

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Dies alles, alles will ich seh’n

Auf meinen Wanderungen. – Und komm ich dann zurück nach Haus In meine Stubenenge, Dann flecht’ ich einen bunten Strauß

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Der Lieder und Gesänge

Vom Schönen, was mein Aug’ geschaut, Was Phantasie mir anvertraut Für andre Menschenkinder. – Ich hab’s geseh’n, sie sahen’s nicht

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Und sollen doch sich freuen

Mit mir an Glanz und Sonnenlicht Im wunderschönen Maien. – So steck’ ich mir das Reiseziel, Und sei es wenig oder viel,

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Ich werde es vollbringen. –

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