Parthenope

by Johann Gottfried Herder

Ein Seegemählde bei Neapel.

Ermüdet von des Tages schwerem Brande,      Setzt’ ich danieder mich ans kühle Meer. Die Wellen wallten liebend hin zum Strande      Des holden Ufers, das mich rings umher

5
Umfieng mit seinem zaubrischen Gewande,

     Mit seiner gaukelnden Sylphiden Heer; Der Liebe luftger Schleier, rings umflogen Von Zephyretten, spielte mit den Wogen. Und über mir, hoch über mir in Lüften

10
     Des blauen Äthers säuselte der Baum,

Der reingeläutert von der Erde Düften,      Ein himmlisches Gewächs, den runden Saum Umschreibet mit der Sonne goldnen Schriften,      Und giebt dem Fluge der Begeistrung Raum

15
Die schlanke, schöne Königinn der Bäume,

Die Pinje rauschte mich in goldne Träume.

More poems by Johann Gottfried Herder

All poems by Johann Gottfried Herder →