Ob feindselige Winde

by Georg Friedrich Daumer (1800–1875) · 1846 German

LXIII.

Ob feindselige Winde
Schreckhaft tosen, o gräme dich nicht!
Denn hold werden im Lenze
Lüftlein kosen, o gräme dich nicht!

Ob erstorbne Gebüsche
Rings dein Auge beleidigen,
Aus dem Tode lebendig
Blüh’n einst Rosen, o gräme dich nicht!

Ob durch stachlige Wüste
Hin zur Kaba die Reise geht,
Laß dich Dornen und Disteln
Nicht erbosen, o gräme dich nicht!

Ob glückseliger Heimath
Jussuf grausam entrissen weint,
Hoch in Glorie prangt einst,
Der verstoßen, o gräme dich nicht!

Alles kreiset und wechselt,
Auch dein Leiden, es wandelt sich;
Nicht erliege den herben
Schicksalslosen, o gräme dich nicht!

More poems by Georg Friedrich Daumer

All poems by Georg Friedrich Daumer →